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Stellungnahme zur Flüchtlingskatastrophe in Vucjak bei Bihac,

Bosnien und Herzegowina.

 

Von Josefina Elisabeta Bajer, geschrieben und publiziert am 4.10.19

 

 

Seit Anfang Juli beobachte ich die Situation und die Entwicklung des ad hoc entstanden Flüchtlingslagers in Vucjak bei Bihac (BiH). Dabei war mir der Facebook Account von Herrn Dirk Planert, der vor Ort in bewundernswerter Weise die medizinische Versorgung und Betreuung der Flüchtlinge ehrenamtlich leitet und organisiert, eine wichtige authentische Quelle. Herr Planert ist mir durch sein selbstloses handeln und den inzwischen engen kommunikativen Kontakt über Facebook zu einem Freund geworden.

 

Seit Anfang August habe ich mich, im Ehrenamt, für die Arbeit Herrn Planerts aus dem Hintergrund heraus engagiert.

Meine hierbei geernteten Erfahrungen möchte ich gerne mit Ihnen allen teilen, verweisen sie doch auf einen Missstand der internationalen Flüchtlingspolitik, den nicht nur die Flüchtlinge in Vucjak ertragen müssen.

 

Der Beginn meines ehrenamtlichen Engagements war getragen von einem, aus meiner Sicht, unfassbaren Ereignis.

Herr Planert postete seine Verzweiflung über die Untätigkeit und die mangelhafte Unterstützung eines Großteils der internationalen Institutionen, welche sich eigentlich unter humanitären Gesichtspunkten der besseren Handhabe und internationalen Klärung der seit 2015 andauernden Flüchtlingskrise verschrieben haben.

Insbesondere der UNHCR BiH fiel besonders negativ auf, da dieser eine Hilfslieferung versprach, was dazu führte, dass Herr Planert all seine für den Tag der Lieferung angesetzten weiteren Termine absagte, um vor Ort die Hilfslieferung in Empfang zu nehmen. Leider wurde diese Hilfslieferung am Tag der versprochenen Zulieferung per SMS durch den UNHCR BiH abgesagt und danach nie wieder in Gang gesetzt. Begründung dafür war ein Treffen mit IOM (Internationale Organisation für Migration). Wie später berichtet wurde, soll es sich hierbei um ein Essen gepaart mit einem Meeting gehandelt haben.

 

Man stelle sich die Situation einmal im Detail vor:

In Vucjak saßen – ob illegaler Rückschiebungen seitens der Kroatischen Grenzpolizei (Vgl. Bericht Christoph Zotter – Profil.at – Insbesondere der Artikel: „Sie sagten Asyl. Wir antworteten: Kein Asyl.“ Profil 31, S. 40 ff. vom 28. Juli 2019. Ich danke an dieser Stelle abermals Herrn Martin Staudinger für die gute Zusammenarbeit und Unterstützung!) unter inhumanen Bedingungen etwa 1000 Flüchtlinge fest. Mit Wissen der Politiker der Länder Kroatien und Bosnien sowie den internationalen Akteuren der Friedens- und Konfliktforschung, den aktiven Hilfsorganisationen, angefangen vom Roten Kreuz bis hin zur UN, der Medien in Deutschland, Österreich und dem ehemaligen Jugoslawien.

Weder verfügt das Lager über Sanitäre Anlagen, noch feste Behausungen! Die Flüchtlinge erhalten vom Roten Kreuz Nahrungsmittel und die medizinische Versorgung war bis vor kurzem, unter Leitung von Herrn Dirk Planert, über Spenden finanziert worden.

Hier sei erwähnt, dass das Engagement Herrn Planerts einer Lebensenergie entspringt, die ihresgleichen sucht! Ohne sein Engagement wären sicherlich mehr menschliche Opfer zu verzeichnen. Ich empfehle Jedem, sich einmal seine ausführlich geführte Dokumentation bei Facebook anzuschauen.

 

Während der letzten drei Monate habe ich aus dem Hintergrund Korrespondenzen zur Sachlage mit der EU, dem UNHCR BiH, der deutschen und internationalen Flüchtlingshilfe UNO und UN sowie den Maltesern geführt.

Mein bei GMX vorhandenes E-Mail-Postfach und der darin für meine Tätigkeit erstellte Ordner ist mittlerweile mit über 50 E-Mails bestückt.

 

Resultat:

 

  • Eine Spende von 1000 € seitens der Malteser!

(Mein Dank geht an dieser Stelle abermals an Herrn Brigel aus Limburg und den weiteren 6 Mitarbeitern der Malteser deutschlandweit, die mir den Weg zu Herrn Brigel ebneten!)

 

  • Drei Gespräche mit der EU – Telefonisch und per E-Mail.

Teilresultat: ca vier Wochen später erschienen EU Abgeordnete im Lager, um sich ein Bild vor Ort zu verschaffen sowie das Thema in Brüssel zu fokussieren.

Mir wurde zudem eine Handreichung zuteil, mit möglichen Antragswegen zur finanziellen Unterstützung – geschätzte benötigte Bearbeitungszeit: mind. 6 Monate (!)

(Nach der ersten Sichtung, dazu muss ich sagen, dass ich ausgebildete EU-Fundraiserin bin und mich mit Anträgen dieser Art auskenne, habe ich vorerst von der weiteren Bearbeitung abgesehen, da die Situation vor Ort eine schnellere Lösung und Hilfe erforderte.)

 

  • Gespräche und weitreichende E-Mailkorrespondenz mit der UNO Flüchtlingshilfe (Bonn), die vorerst seit dem Ende der letzten Woche darin mündeten, dass mir für mein Anliegen zuerst Hilfe und Unterstützung angeboten wurde (notfalls würde man mit der UNO Flüchtlingshilfe in Genf sich in Verbindung setzten), man mir schlussendlich jedoch angeraten hat, ich solle mir Unterstützung bei einem Kulturverein in Berlin, dem Auswärtigen Amt oder dem UNHCR in BiH suchen!

 

  • Wöchentliche Mails an den UNHCR BiH, namentlich Frau Andjela Zvizdovica, welche bis vor zwei Tagen vollkommen ignoriert wurden!

 

Gerne teile ich die Nachricht mit Ihnen allen.

(Bedenken Sie bitte nur, dass ich bis dahin an die 10 E-Mails versendet habe, jeweils 1. mit dem Aufruf doch bitte endlich des eigenen Auftrags gerecht zu werden und den ehrenamtlichen Unterstützern sowie den Flüchtlingen zu helfen sowie 2. einem kurzen Bericht, in englischer Übersetzung, aus den aktuellen Facebook-Beiträgen von Herrn Planert)

 

Hier die Nachricht, in Kopie:

Dear Josefina,

Thank you for your email and for your concerns regarding asylum-seekers and migrants located on the site of Vucjak, near Bihac. Please note that the United Nations in Bosnia and Herzegovina have drawn attention on many occasions to the poor living conditions and the health and security hazards associated to this site.

On 14 June 2019, the UN Country Team in Bosnia and Herzegovina have issued a joint statement to express their concerns, which you may find here: http://ba.one.un.org/content/unct/bosnia_and_herzegovina/en/home/presscenter/un-country-team-in-bih–joint-statement-on-relocation-of-migrant.html

Since then, UNHCR and our partners have kept calling publicly for the relocation of all asylum seekers and migrants from this site to existing reception centres. Please rest assured that we will keep advocating with the relevant authorities in this sense, including for the identification of new reception centres to address the humanitarian needs of refugees and migrants in the country.

With kind regards,

UNHCR Bosnia and Herzegovina

Meine abschließenden Anmerkungen als ehrenamtliche Helferin zu den Bemühungen, den Flüchtlingen in Vucjak und Herrn Planert Unterstützung zu geben:

  1. Das bestätigte Wissen, dass wenn es eine politische Pattsituation gibt und die gibt es in Sachen internationale Flüchtlingspolitik nun leider schon seit Jahren (!), nur politische und international ausgerichtete Lösungen helfen können!

 

  1. Dass sich internationale Organisationen, die sich den Auftrag erteilt haben, Flüchtlingen zu helfen, selber oft gar nicht helfen, sondern lediglich Hilfe darin bieten, an andere, die sich auch kümmern könnten, zu verweisen – mit anscheinender Vorliebe an kleine und nationale Organisationen und Akteure die sich selber aus Spendenmitteln finanzieren müssen oder internationale Organisationen – die aber schon längst von der Sachlage wissen und selber nicht aktiv werden bzw. meinen eine Stellungnahme und die Arbeit hinter den Kulissen, sei mehr als ausreichend, um dem eigens gesetzten Auftrag gerecht zu werden.

 

Und,

 

  1. dass es tatsächlich so ist, dass sich diejenigen, welche das Geld, die Macht und die Möglichkeiten besitzen, etwas an der Situation der Flüchtlinge in Vucjak zu ändern (und dies ist nicht nur in diesem Fall zu beobachten), sich gerne ausruhen auf der Arbeit vieler freiwilliger Helfer, die vor Ort Wirkliches bewegen und aktiv helfen, während sie selber Hilfe versprechen und dann diese kurzfristig ohne Widerruf canceln, an andere verweisen, die ja auch helfen könnten – aber finanziell schlicht schlechter ausgestattet sind,

und last but not least: Die Politik der EU und der internationalen Gemeinschaft rund um die UN nicht in der Lage ist, ihr Potential zu Gunsten ihrer Schützlinge voll auszunutzen!

 

Mit der Publikation dieser Stellungnahme und dem hier enthaltenen Bericht hoffe ich diejenigen endlich zum Handeln bewegen zu können, die sich ihres Auftrages bisher entzogen haben

und

gleichzeitig diejenigen zu bestärken, die ob ihres täglichen und unermüdlichen Einsatzes dort zur Stelle sind, wo sie gebraucht werden

– vor und hinter den Kulissen einer globalisierten Welt, deren Politiker nicht in der Lage sind, die Missstände unserer Zeit zu beheben und ihrem selbstgewählten Auftrag gerecht zu werden!